Schule in der Coronakrise

Schule findet seit Wochen zu Hause statt. Diese neue Unterrichtsform stellt Schulen und Familien vor Herausforderungen.

„Der Tag beginnt später, da die Kinder auch am Abend später zu Bett gehen“, merkt Michael Teplitzky zu seinen Erfahrungen mit dem „Corona-Home-Schooling“ an. Er ist selbst Lehrer am Ortenburg-Gymnasium und hat vier Kinder. Zwei besuchen das Gymnasium, die Zwillinge Emil und Leo die 3. Klasse der Grundschule. Alle vier Kinder werden mit Wochenarbeitsplänen ihrer Klassenlehrer versorgt. „Die Pläne sind so hergerichtet, dass keine Über-, aber auch keine Unterforderung eintritt“, stellt der Vater fest. „Bei Fragen sind die Fachlehrer des Gymnasiums und die Klassenleiter an der Grundschule leicht erreichbar und geben gerne Hilfestellung“, ergänzt die Mutter Verena Teplitzky.

An der Gesamtkonzeption der Wochenarbeitspläne des Ortenburg-Gymnasiums hat Studiendirektorin Silke Zettlmeißl maßgeblich mitgewirkt. Sie konnte hierbei auf ihre Erkenntnisse aus einem Arbeitskreis über „offene Unterrichtsformen“ aufbauen. In normalen Zeiten werden diese auf eine Woche angelegten Arbeitspläne der verschiedenen Fächer mit unterschiedlichen Sozialformen wie Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit in Kombination mit Freiarbeit an der Schule umgesetzt. Jetzt geschieht das in einer angepassten Form zu Hause. Am Ortenburg-Gymnasium erhalten die Schüler die Arbeitsaufträge über das digitale Infoportal des Schulmanagers. Nach einer Anpassung sind sie auch über die Homepage abrufbar. Mit anderen Lösungen habe man keine guten Erfahrungen gemacht, merkt Schulleiter Ludwig Pfeiffer an und plädiert uneingeschränkt für das am Ortenburg-Gymnasium entwickelte „Home-Schooling-System“.

Drei sehr übersichtlich gestaltete Info-Blätter der Schulleitung erleichtern die Umsetzung der Wochenarbeitspläne. Schüler, Eltern und Lehrer wurden hier bereits beim Einstieg kompakt und zielgerichtet auf den häuslichen Unterricht vorbereitet.

Das System funktioniert grundsätzlich gut, wie zahlreiche Rückmeldungen von Eltern und Schülern an Oberstudiendirektor Ludwig Pfeiffer offenbaren.

Wie leicht oder wie schwer die Umsetzung von statten geht, hängt aber auch von der familiären Situation und von den beruflichen Verpflichtungen der Eltern ab. Auch die Qualität des häuslichen Internets und die Anzahl der familiären Computerarbeitsplätze spielen eine gewichtige Rolle.

„Glücklicherweise haben wir einen guten Internetzugang und die entsprechenden Endgeräte, so dass unsere Kinder über soziale Netzwerke ihre Freundschaften pflegen können“, freut sich Michael Teplitzky. Gerade in den Zeiten der Coronakrise sind soziale Kontakte auf der digitalen Schiene wichtig. Tochter Rosa unterhält sogar eine Konferenzschaltung mit einer ehemaligen Klassenkameradin, die momentan in Prag zur Schule geht.

Generell sind im getakteten Tagesablauf neben den schulischen Aufgaben auch sinnvolle Freizeitbeschäftigungen von enormer Bedeutung. Dies betont auch Schulleiter Ludwig Pfeiffer in einer Mitteilung an die Eltern. In der Familie Teplitzky endet die schulische Arbeit in der Regel am Mittag. Nur in seltenen Fällen, wenn das Aufgabenpensum nicht geschafft wurde, muss am Nachmittag nachgearbeitet werden. „Aber dann sollen die Kinder raus!“ Diese nutzen dreimal wöchentlich das vom Oberviechtacher Handballverein angebotene Online-Training. Das Spielen im Garten, aber auch kleinere Außenarbeiten bei der aktuell günstigen Wetterlage gehören dazu. „Abends haben wir für uns das Brettspiel „Die Siedler von Catan“ entdeckt. Sollten nur vier Familienmitglieder spielen wollen, dann natürlich Schafkopf!“ Im Vergleich zur Schulzeit endet der Tag für die Teplitzky-Kinder aber eine Stunde später.

Georg Lang