Facettenreich und reif für den “Oscar”

Eine mutige Truppe wagt sich an Klassiker wie “Faust” oder die “Dreigroschenoper”. Der Samen dazu keimt vor 40 Jahren im Ortenburg-Gymnasium und ist längst aufgegangen im Ensemble Ovigo. Zur “Ernte” gibt es eine Gala. (lg)

Eine Gala mit vielen bekannten Gesichtern aus 40 Jahren Theatergeschichte des Ortenburg-Ensembles und von Ovigo lief am Freitag buchstäblich über die Bühne des Ortenburg-Gymnasiums (OGO). Beim Festabend in der Dreifach-Sporthalle kamen Spieler aus der Anfangszeit sowie der einstige Regisseur Wolfgang Pöhlmann an ihren ehemaligen Wirkungsort zurück und beeindruckten mit Szenen aus den Klassikern von einst: “Jedermann”, “Faust” und die “Dreigroschenoper” gehörten vor Jahrzehnten zu den großen Inszenierungen des Ortenburg-Ensembles in Oberviechtach und Neunburg vorm Wald. Die 2012 aus der Schultheatergruppe hervorgegangene neue Formation Ovigo unter der Leitung von Florian Wein beeindruckte mit einem dynamischen Aufführungs-Mix von Stücken der zurückliegenden Jahre.

Der OGO-Chor und die Big Band des Gymnasiums umrahmten die Feierstunde musikalisch unter der Leitung von Andreas Lehmann. Die Gaukler-Truppe, die untrennbar zum barocken Eisenbarth-Festspiel gehört, beeindruckte mit einer ausgeklügelten Choreographie des Leiters der Akrobatengruppe, Johannes Balletshofer. Die Gaukler erinnerten daran, dass Wolfgang Pöhlmann im Jahr 2000 Oberviechtach zur Festspielstadt gemacht hatte. Ein authentisches Gesamtbild aller Aktivitäten vermittelte ergänzend eine Ausstellung zur 40-jährigen Theatergeschichte von Ovigo. Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch Schulleiter Ludwig Pfeiffer führten Florian Wein und Michael Sander durch das facettenreiche Galaprogramm.

Ins Freie verlagert

Wolfgang Pöhlmann verriet, wie 1979 alles begann. Damals war die junge Theatertruppe mit Brechts Stück “Der Spitzel” bei den Schulspieltagen in Berchtesgaden sehr erfolgreich. Dies war für Pöhlmann Ansporn zum Weitermachen. Als die Schulturnhalle für große Inszenierungen zu klein wurde, verlegte er die Schauplätze ins Freie. Der “Jedermann” wurde vor der Stadtpfarrkirche aufgeführt, “Faust” machte auf der Burg “Haus Murach” Furore, und die “Dreigroschenoper” genossen die Zuschauer im Innenhof der Schule. “Viele weitere Darbietungen wären noch zu nennen”, so Pöhlmann bei seinem Rückblick auf Jahrzehnte lange Schulspielaktivitäten. Aber neben der Theorie waren vor allem die Aufführungen Trumpf der Gala. Viele Spieler waren teilweise von weither angereist, um die Erfolgsstücke von einst auf der Jubiläumsbühne wieder aufleben zu lassen. Auch hier hatte sich wieder Pöhlmanns Gabe bewährt, ehemalige Schüler für das Theaterspielen zu begeistern. Das jetzige Technikteam der Schule trug dazu bei, dass diese Neuauflagen zu einem Erfolg wurden.

Oscars für Engagierte

Auch Überraschungen blieben bei dieser bewegten Jubiläumsfeier nicht aus. Matthias Eckl vom Verband der Bayerischen Amateurtheater überraschte das Ovigo-Ensemble mit einer Ehrenurkunde zum 40-jährigen Jubiläum. Das Ovigo-Vorstandsteam seinerseits würdigte das Engagement verdienter Theaterleute mit einer Verleihung von Ovigo-Oscars. Den ersten bekam Bettina Meier, weil sie durch ihre jahrelange profunde Theaterarbeit in der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums das “Wurzelwerk” für die späteren Erfolge geliefert habe, wie Ulrich Wohlgemuth in seiner Laudatio verriet. Über einen weiteren Oscar durfte sich die Familie Gitter freuen, die sich nach Aussage von Laudator Junaid Ahmad bei den bisherigen 140 Aufführungen besonders engagiert eingebracht habe. “Die Maske trägt dazu bei, dass aus Schauspielern Charaktere werden”, meinte Julia Vesenjak in ihrer Laudatio auf die Maskenbildnerin Anita Niebauer, die den dritten Oscar bekam.

Nach all den Präsentationen und Ehrungen war die Jubiläumsgala noch nicht vorbei. Es gab eine Aftershow-Party, bei der die kostümierten Spieler mit dem Zuschauervolk feierten.